5. Etappe - Zurück in Eidsvoll, diesmal als Pilger😉


Mein Schrittzähler steht heute bei gut 32000 Schritten. Und das, obwohl meine Wanderdistanz heute nur 15,6 Kilometer betrug. Da wird deutlich, dass so ein Pilgertag aus noch mehr als der reinen Wanderstrecke besteht. So war ich gerade nochmal etwa 7 Kilometer zum Einkaufen unterwegs, allerdings ohne Rucksack. Die Kirchen und Pfarrhäuser liegen in Norwegen leider nicht immer im Stadtzentrum, eher etwas außerhalb an lauschigen Orten. 

So ist das auch in Eidsvoll. Doch bevor ich auf Einkaufstour ging (auf den nächsten 40 Kilometern gibt es dazu keine Gelegenheit mehr), bezog ich mein altes Pfarrhaus. 
Der letzte Pfarrer ist hier vor 20 Jahren ausgezogen, der aktuelle hat sich etwas anderes gesucht. So hat die Gemeinde es zur Pilgerherberge umfunktioniert. Das aber nur zur Hälfte. Die andere Hälfte nutzt eine Laientheatergruppe. Ich bin in dem riesigen Haus heute allein. Habe mir das beste Zimmer ausgesucht und bruzzele mir nachher was köstliches. Das Haus versprüht den Charme der Biedermeierzeit Mitte des 19. Jahrhunderts. Coole Hütte. 

Die ganzen alten Linden und Buchen, die ich von Fotos in Pilgerführern kenne, sind der Kettensäge zum Opfer gefallen und der Park ist in diesem Jahr komplett umgestaltet und neu bepflanzt worden. 
Meine Wanderstrecke war heute sehr angenehm zu laufen. Ich stiefelte gegen 8 los, da waren die beiden Youngsters gerade aufgestanden. Nach einem steilen Anstieg gleich zu Beginn verlief die Strecke dann ohne große Schwierigkeiten. Das Wetter war super zum Wandern, die Temperaturen moderat, der Himmel bewölkt. 

Der Weg führte zunächst nach Raholt. Die Kirche war leider geschlossen. Von dort ging es auf Asphalt wegen weiter bis Eidsvoll Verk. Das ist für die Norweger ein historisch bedeutender Ort. Hier gab sich das Land im Jahre 1814 seine erste Verfassung. Der Unternehmer Carsten Anker, der hier sein Eisenwerk betrieb, stellte dafür seinen privaten Wohnsitz zur Verfügung.


 Heute ist das Haus ein Museum und im angegliederten Café gibt es für Pilger einen Stempel und Kaffee for free, was ich natürlich gern in Anspruch genommen habe. Von Eidsvoll Verk an führte der Weg an einem Flusslauf entlang, über Felder und durch Wälder bis nach Eidsvoll. 


Ich hab's hier offensichtlich mit den Hochzeiten, denn wieder posierte ein Brautpaar bereitwillig für den Pilger😄. Die Trauung lief im Schnelldurchlauf. 


Ich hab derweil ein paar Kilometersteinfotos geschossen und schon nach knapp einer halben Stunde kam die Hochzeitsgesellschaft schon wieder nach draußen. Mit meinem Amtskollegen Kent hatte ich dann noch ein kurzes Gespräch, ich bekam meinen Pilgerstempel und wartete danach noch ein gutes halbes Stündchen auf die beiden Mediziner, aber die kamen wohl erst später in Eidsvoll an und sind bis zur nächsten Herberge weitergelaufen. 

Nun freue ich mich auf eine ruhige Nacht. Morgen soll es vielleicht regnen. Leider findet der Gottesdienst nicht hier sondern in Raholt statt. Das würde bedeuten, nochmal 10 Kilometer zurück zu laufen. Das geht natürlich nicht. Wir haben beim seligen Erich schließlich gelernt: "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!" Also in diesem Sinne bin ich auf morgen gespannt. 

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