9. Etappe: Zu Gast im Paradies - von Skomakerbakken nach Herkestad Gard 17 Km
Auch heute empfing uns dieselbe Nebelsuppe am Vormittag. Das kleine Grüppchen in unserer Herberge war am Vorabend nach der anstrengenden langen Etappe recht früh ins Bett gegangen und kam auch früh wieder aus den Federn. Einige wollten bis Hamar die 28 Kilometer durchziehen, aber Ricarda, eine Lehrerin aus Wuppertal, und ich haben uns in Herkestad Gard, etwa 12 Kilometer vor Hamar gelegen, angemeldet. Das ist eine Herberge, die ich noch aus dem Buch von Brita Bartels in Erinnerung hatte.
Auf dem Weg dahin haben wir uns zu zweit gut ergänzt, hatten die gleichen Tempovorstellungen und auch pausentechnisch hat es gut gepasst. AmTag zuvor hatte der PCT (Pacific Crest Trail in den USA) - erfahrene Jörg so ein bisschen das Tempo vorgegeben und das war ziemlich anstrengend.
Um halb 8 sind wir als Letzte gestartet und der Weg führte uns zuerst auf geschotterten Waldwegen auf die Höhe von Ekeberg. Das war eine schweißtreibende Angelegenheit. Gut, dass die Temperaturen am frühen Morgen noch recht niedrig waren.
Immer wieder kam mein Trekkingschirm zum Einsatz, weil es nieselte. Gut, dass ich ihn dabei habe! Nach dem Aufstieg auf den Berg auf den ersten vier Kilometern ging es dann nur noch bergab bis zur sehenswerten Kirche in Stange mit dem Meilenstein 503 Kilometer til Nidaros. Nun liegen wir allerdings wieder auf der Asphaltstrasse. Ich bin aber sehr dankbar, dass ich mit Blasen bisher gar keine Probleme habe. Die jungen Leute sind hier alle komplett verpflastert. Ob es an der Hirschtalgsalbe liegt? Gut möglich.
Nun kam bald der Mjøsasee wieder in den Blick, herrlich einfach. Die nächsten vier Tage werde ich an seinem Ufer entlanglaufen, bis ich dann in Lillehammer ins Gudbrandstal wechseln werde.
Die Kirche in Stange war offen, vermutlich, weil noch eine Beerdigung stattfinden sollte. Als wir kamen, fuhr gerade der Minibagger vom Friedhof herunter. Als wir gingen, kam der Leichenwagen. So hatten wir ein schönes kleines Zeitfenster für die persönliche Andacht und zur Betrachtung der Kirche. Eine Kerze habe ich auf dem Leuchter entzündet für alle, die mit ihren guten Gedanken für mich mit auf dem Weg sind: bleibt auch Ihr behütet!
Interessant fand ich, dass der Prediger, wenn er die Kanzel besteigen möchte, jedesmal an Adam und Eva vorbei muss und die beiden ihn wohl daran erinnern dass auch er ein Mensch ist und nicht von Sünde frei.
Am Meilenstein schossen wir wieder die obligatorischen Fotos und der Kirchencache wurde auch noch bei der Gelegenheit gesucht und gefunden. Und natürlich gab es einen schicken Stempel für den Pilgerpass.
Nochmal standen nun 4 Kilometer an der Straße entlang auf dem Programm. Unterwegs trafen wir auf viele Felder, auf denen Weizen, Gerste und Hafer gediehen. Das Gebiet um Hamar ist die Kornkammer Norwegens.
Einen letzten Zwischenstop legten wir an einem Erdbeerhof ein. Karls lässt grüßen! Einen Kaffee, eine leckere Waffel mit Erdbeeren und ein Schälchen Erdbeeren für 12 Euro - das ging eigentlich.
Die Erdbeeren mussten wir dann als zusätzlichen Ballast noch bis zur Herberge einen Kilometer schleppen. Bente, unsere Gastgeberin, empfing uns sehr nett in perfektem Deutsch. Sie zeigte uns das Haus, erklärte uns die Spielregeln und verabschiedete sich zum Kindergeburtstag ihres Enkelkindes. Heute Abend kocht sie uns ein Pilgersüppchen mit Bio-Gemüse aus dem Garten und Lachs. Die Herberge ist ein Traum und atmet ganz viel Liebe zu den Gästen. Das schlägt sich auch in den ganz vielen schönen Texten im Gästebuch nieder. Hier kann man sein und wird als Pilger herzlich aufgenommen. Prima👍.
Nach dem Gang unter die Dusche und einer kleinen Wäschewaschaktion fühle ich mich wieder als Mensch. Eben kam noch Zuwachs. Julia und Dennis, die mit uns in Sannfredstun übernachtet hatten und dann die letzte Nacht in Tangen auf dem Campingplatz verbrachten, sind hier eingetroffen und werden heute mal nicht im Zelt, sondern in Bentes Nobelherberge übernachten.
Morgen geht es weiter nach Hamar und dann sind die ersten gut 150 Kilometer geschafft. Dort werde ich voraussichtlich einen Ruhetag einlegen. Mal schauen, wie die erste Nacht im Mehrbettzimmer im Pilgerzentrum wird...
Waffel mit Erdbeeren! Das sieht wirklich lecker aus!!!
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