Eine Woche auf Pilgerschaft - ein Fazit
Mit dem heutigen Tag bin ich nun eine Woche unterwegs auf dem Olavsweg. Laut Pilgerführer habe ich 110 Kilometer der 643 Kilometer bis Nidaros geschafft.
Das ist doch schon einmal was ganz feines. Es gab keinen Tag, an dem ich gar nicht gelaufen bin. Im Schnitt sind es 15,5 Kilometer am Tag gewesen. Meine Garmin-Uhr zeichnete folgende Werte auf:
Gesamtkilometer: 108
Höhenmeter: 2002
Schritte: 171323
Die Schrittzahl beinhaltet auch die nicht aufgezeichneten Strecken, z.B zum Einkaufen. Bei einer Schrittlänge von 75 cm bin ich letzte Woche also 128 Kilometer gelaufen. Das sind die nackten Zahlen.
Was sich dahinter verbirgt, ist eine körperliche Belastung, wie ich sie mir in meinem ganzen Leben noch nicht zugemutet habe. Ich bin erstaunt, wie gut mein Körper das Ganze toleriert hat bisher.
Rückenprobleme habe ich trotz Wirbelgleiten und diverser Befunde an der LWS garnicht. Die Knie halten der Belastung bisher auch stand. Von der Frozen Shoulder, die mich die letzten Monate geplagt hat, merke ich auch kaum noch etwas. Meinen Blutdruck will ich garnicht wissen. Er ist aber gut eingestellt. Mein Herz fängt an, die Belastung immer besser zu tolerieren. War an den ersten Tagen der Maximalpuls hin und wieder bis 140, so hat er in den letzten Tagen selten die 120 überschritten. Normal liegt er so zwischen 90 und 110, also alles gut. Beschwerden hab ich bisher keine, auch muskulär funktioniert alles bisher gut. Ich staune, dass meine Waden bisher nicht gezuckt haben. Natürlich bin ich nach über 20 Kilometern mit etwa 9-10 Kilo auf dem Rücken erschöpft. Aber ich erhole mich immer wieder schnell. Ich habe das Gefühl, vielleicht auch ein paar Gramm abgeschmolzen zu haben in der letzten Woche.
Nach den schönen Tagen zu Beginn, ist das Wetter für norwegische Verhältnisse normal. Leider habe ich meine Regenhose irgendwo zugesetzt, keine Ahnung wo. Das ist natürlich bei dem Wetter jetzt blöd, aber es nahen ja der Stefan und die Britta und die werden mir meine andere Hose bringen. Das Schuhproblem ist auch suboptimal, aber da wird es auch eine Lösung geben.
Was ich ein bisschen schade finde ist, dass doch recht wenig Pilger unterwegs sind. Heute werden wir wohl zu siebt sein. Keine Ahnung, wo die alle herkommen. Die sind dann ja heute mehr als 30 Kilometer gelaufen, wenn sie angekommen sind.
Du musst also auf der Pilgerschaft als Erstes lernen, mit dem Alleinsein zurecht zu kommen. Niemand spricht mit dir. Du rennst stundenlang durch den Wald und bist nur umgeben vom Vogelgesang. Aber zum Runterkommen ist das genau richtig.
Bei Dir selbst ankommen, das, was war ablegen, hinter dir lassen. Offen sein für das, was passiert. Na gut, für meinen Geschmack könnte da ruhig noch mehr passieren. Aber wenn man dann auch in der Herberge allein ist, erlebt man auch diese absolute Freiheit ein Stück als Geschenk. Ich freue mich aber nach zwei kompletten Solotagen auf die Gesellschaft heute Abend.
Ich bin also dabei, in meinem Pilgerleben anzukommen. Mich an den Tagesablauf zu gewöhnen, das richtige Tempo zu finden, an der richtigen Stelle die Pausen einzubauen. Die richtige Ernährung zu finden und dennoch auch immer was ungesundes für die Moral in Petto zu haben. Ich spüre, dass mir das leichter fällt, wenn ich allein unterwegs bin. Also sind wir mal gespannt, was die zweite Woche so bringt....
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